Reise nach Sankt Petersburg

In Zeiten der Corona- Pandemie ist Reisen nur schwer möglich. Ausflüge mit der Klasse konnten wir im Schuljahr 2020/21 nur sehr wenige unternehmen. Während des Lockdowns waren wir alle im Homeschooling zu Hause. Das war auf Dauer auch langweilig. So wollte sich die Klasse 8/9 DUag doch noch irgendwie auf eine Reise begeben, nach Sankt Petersburg begeben…

Am 8.2.2021 war es soweit. Endlich in Sankt Petersburg „angekommen“ (bei funktionierendem Internet hat es auch gar nicht lange gedauert), haben wir gleich die Streetart- Ausstellung „Crossing Borders/ Crossing Boundaries“ (aus dem Jahr 2016) gefunden. Zum Glück mussten wir nicht erst mit den Öffentlichen durch die halbe Stadt kurven!

https://artsandculture.google.com/exhibit/crossing-borders-crossing-boundaries/2wLiZIamEIMBIA

Hier nun ein paar Eindrücke aus der Welt der Streetart. Die Kunstwerke waren für die Klasse 8/9 DUag auch eine Inspirationsquelle zur Gestaltung von Plakatmotiven für die Nürnberger Wochen gegen Rassismus.

MERIJN HOS. STREET ART MUSEUM (SAM). ST. PETERSBURG, RUSSIA. MAY 2016. (PHOTO © EVGENIY BELIKOV)

Merijn Hos hat mit seinem Wandbild „Lost in a Dream“ eine einfache, aber wichtige Botschaft. Die 5 Weltkugeln zeigen die Entwicklung von schwarz-weiß zu Farbe, vom Einfachen zum Komplexen. Die Klasse hat die Botschaft auf den Punkt gebracht: die Welt ist nicht schwarz weiß, die Welt ist bunt.

BRAD DOWNEY . IGOR POSONOV. STREET ART MUSEUM (SAM). ST. PETERSBURG, RUSSIA. MAY 2016. (PHOTO © EVGENIY BELIKOV)

Das Kunstwerk Double Yippie Hollow Super Power hat auch einige Schüler*innen fasziniert. Brad Downey hat verschiedene Länderflaggen kombiniert und daraus ganz neue, teils recht ironische Visionen erschaffen. Er spielt mit der Ernsthaftigkeit, die in nationalen Symbolen stecken und nimmt ihnen damit auch ihr „Heiligtum“. Erzfeinde werden bei ihm zu Verbundenen, die sich den Platz auf einer Flagge teilen (müssen).

SPY. STREET ART MUSEUM (SAM). ST. PETERSBURG, RUSSIA. MAY 2016. (PHOTO © EVGENIY BELIKOV)

SPY ist ein Künstler, der gerne provoziert. Seine riesige Aufforderung Go Home beinhaltet einerseits die nationalistisch- rassistische Aussage „Du bist hier nicht willkommen, geh‘ nach Hause“. SPY kritisiert natürlich mit dem riesigen Transparent diesen dumpfen Appell. Andererseits befinden sich viele Menschen auf der Welt nicht in der Lage nach Hause „zurückzukehren“, obwohl sie es sich vielleicht sehnlichst wünschen. Natürlich kann ein „Go Home“ in milden Worten ausgedrückt auch etwas Tröstliches oder Wehmütiges beinhalten. Die Frage „Wo ist mein Zuhause?“ schließt sich hier auch mit ein. Und während des Lockdowns beinhaltet der Aufruf „Go Home“ auf einmal eine ganz neue Dimension.

KIRILL KTO. STREET ART MUSEUM (SAM). ST. PETERSBURG, RUSSIA. MAY 2016. (PHOTO © EVGENIY BELIKOV)

Kirill Kto hat das Wandgemälde „Incomprehension“ entworfen. In unterschiedlichen Schriftarten und Sprachen weist die Arbeit auf die Komplexität und Schwierigkeiten beim Übersetzen hin. Wer gerade eine neue Sprache lernt, weiß um was es hier geht. Was kann ich verstehen? Was will ich verstehen? Was ist nicht zu verstehen? Es geht auch um die Grenzen der eigenen Sprache, denen wir täglich begegnen. Trotzdem ist das Werk mit seiner Farbe, Größe und Form genauso Ausdruck von Spaß, Freude und Vielfalt.

Die Reise nach Sankt Petersburg hat sich für die Klasse 8/9 DUag gelohnt. Auch mit noch geringen Sprachkenntnissen haben die Schüler*innen eine interessante, neue Blickrichtung auf das Thema „Grenzen“ inner- und außerhalb unserer eigenen Köpfe gewinnen können.

(Carolin Buinevicius 11.06.2021)

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